Das Konzept der Massive(ly) Open Online Courses (MOOCs) kam in den USA auf, nachdem eine gut gestaltete öffentlich verfügbare Online-Vorlesung von Thrun mit dem Titel Intro to Artificial Intelligence plötzlich 160.000 Teilnehmer hatte, von denen 23.000 an einem Online-Examen teilnahmen (Norvig und Thrun 2011). Seitdem erzeugen insbesondere US-Universitäten in vergleichsweise großem Maßstab solche Kurse über eine Vielzahl von Themen, diverse Unternehmen bieten diese kommerziell an. Die Kurse bestehen in den meisten Fällen aus aufgezeichneten Vorlesungen, die nachbearbeitet, geschnitten und mit Zusatzmaterial versehen worden sind.

Zweifelsfrei kann durch die Teilnahme daran Wissen erworben werden, MOOCs sind somit ein Spezialfall der Open Educational Resources (OER). Die Aufregung darüber, dass hier auch Teilnehmer aus entfernten Weltregionen in den Genuss der Leistungen von Spitzen-Universitäten kommen, war zeitweise so groß, dass 2012 von der NY Times zum „Year of the MOOC“ erklärt wurde. Verschwiegen wird dabei meist, dass in der Regel 90% der Kursteilnehmer diesen nicht vollenden (Rivard 2013). Als Grund dafür können mangelnde Fachdidaktik, fehlende Betreuung und fehlende Anpassung an individuelle Lernbedürfnisse identifiziert werden.

„Open“ ist dabei nicht notwendigerweise mit „kostenlos“ gleichzusetzen, sondern steht vielmehr in der Tradition der Open Source Software. Mit MOOCs werden durchaus Einnahmen erzielt, beispielsweise verlangen kommerzielle Anbieter inzwischen eine Summe von umgerechnet ca. 100 – 150 € von Teilnehmern, die mit einem in der Grundausstattung kostenlosen MOOC ein offizielles Testat (und eine Benotung) erhalten wollen.

Für die Erstellung und Verbreitung eines akademischen MOOCs wird in Deutschland eine Summe von 50.000 € angesetzt (Konsens auf der Konferenz „MOOCs or POOCs“, vergl. MWK 2014). Äquivalente Summen wurden von den genannten US-Universitäten investiert. MOOCs scheinen geeignet, Wissen mit geringer Tiefe in die Breite zu tragen, jedoch wird ihre Eignung für eine vertiefte Bildung auf akademischem Niveau zunehmend in Zweifel gezogen. Im November 2013 wurde bekannt, dass der MOOC-Pionier Thrun sich öffentlich von der Vorstellung distanzierte, durch MOOCs gute Bildung vermitteln zu können: „We have a lousy product“ (Chafkin 2013). Auch in Deutschland setzt sich die Ansicht durch, dass die Umsetzung der etablierten Fachdidaktik in MOOCs in den meisten Fällen nicht gelungen ist (Schulmeister 2014, DELFI 2014). Das bedeutet nicht, dass Hochschulen nicht einen Teil ihres Bildungskanons auf MOOCs auslagern können, wenn Qualität und Tiefe nachhaltig gesichert sind. Auch für den Wissenstransfer aus den Hochschulen in die Wirtschaft stellen MOOCs eine wichtige Option dar.

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